#139 Das passiert, wenn du nicht sofort reagierst
Shownotes
In dieser Folge geht es darum, warum du nicht von heute auf morgen perfekt anders reagieren musst, damit sich etwas verändert. Warum es bereits einen Unterschied macht, wenn du deine automatischen Reaktionen immer früher bemerkst und wie dadurch zwischen Impuls und Handlung langsam wieder Wahlfreiheit entsteht.
Wir sprechen darüber, was Selbstführung wirklich bedeutet, warum ein neuer Satz noch keine neue Haltung macht und weshalb dein Kind möglicherweise sogar stärker protestiert, wenn du anfängst, deinen Teil einer vertrauten Dynamik zu verändern.
Denn Veränderung bedeutet nicht, dein Kind dazu zu bringen, sich endlich anders zu verhalten.
Sondern immer klarer zu erkennen: Was passiert hier gerade und wie möchte ich mich darin positionieren?
Transkript anzeigen
00:00:00: Willkommen bei einer neuen Folge vom Sichtwechsel-Podcast, dem Podcast für Eltern die nicht mehr den nächsten Erziehungstipp suchen sondern verstehen wollen was wirklich zwischen ihnen und ihrem Kind passiert.
00:00:10: Und lernen möchten Verantwortung zu übernehmen ohne Haar zu werden!
00:00:15: Ich bin Katharina, systemische Beraterin, Pädagogin, Ausbilderin, Mama von drei Kindern und Gründerin von Sichtwechsel.
00:00:22: Und in dieser Folge, der letzten Folge unserer vierteiligen Comeback-Serie des Sichtwechsel Podcasts, in der wir uns anschauen warum du immer wieder einem gleichen Punkt in Konflikten mit deinem Kind oder anderen Familienmitgliedern landest.
00:00:39: Schauen wir uns an wie Veränderung eigentlich entsteht wenn wir nicht einfach nur die nächste bessere Strategie suchen Und warum Veränderung oft viel früher beginnt, nämlich in dem Moment, in dem du erkennst was du gerade wieder tust und dadurch überhaupt erst wieder Wahlfreiheit entsteht.
00:00:59: Vier Wochen gibt es den Podcast jetzt schon wieder und ich freue mich so sehr über euer tolles Feedback, ob jetzt per E-Mail auf Instagram.
00:01:08: Es ist so schön zu lesen dass ihr dem Podcast so sehr feiert und ihm seht als hey das ist mal etwas völlig anderes als die typischen Tipps und Tricks die du sonst überall bekommst wo dir dein Kind erklärt wird sondern dass du hier wirklich auch den Blick auf euer System bekommest und auch nochmal auf dich bekommste was deine Anteile sind.
00:01:28: Ich liebe es so sehr, wie ihr da gerade ja Bock drauf habt und damit geht.
00:01:34: Wir haben auch in den letzten drei Folgen ziemlich viel auseinandergenommen.
00:01:37: wir haben ja erst darüber gesprochen dass das sichtbare Problem nicht immer das eigentliche Problem ist dann die Verantwortung etwas anderes ist als Schuld.
00:01:46: und letzte Woche haben wir uns angeguckt dass unsere bisherigen Lösungsversuche manchmal eben selbst Teil einer Dynamik werden können.
00:01:54: Und jetzt wäre ja der perfekte Zeitpunkt dafür, dass ich sage hier kommen meine fünf Schritte was du alles ab morgen anders machst.
00:02:01: Aber leider nein.
00:02:03: und wahrscheinlich wirst du dir denken Ja das hätte mich jetzt auch gewundert!
00:02:07: Und zum Glück auch nein denn wenn ich dir nach dieser Serie einfach die nächsten perfekten Strategie gebe werden wir exakt eben wieder dort wo wir angefangen haben.
00:02:16: bei der Frage Was muss ich machen damit ich es richtig mache?
00:02:20: Veränderung funktioniert ja eben meistens anders.
00:02:24: Veränderung beginnt nämlich als allererstes mit Beobachtung.
00:02:29: Viele Menschen glauben, ich verhalte mich erst anders dann verändert sich was.
00:02:34: in der Praxis sehe ich häufig aber etwas anderes.
00:02:38: zuerst erkenne ich überhaupt was Ich tue und zwar hinterher weil sonst werden wir hell sehr.
00:02:47: also ich Erkenne hinterher was ich überhaupt tu Aber immer früher.
00:02:52: Also am Anfang sage ich Mist, jetzt ist es wieder komplett eskaliert.
00:02:58: Dann sage ich vielleicht irgendwann Ah!
00:03:00: Ich habe jetzt gerade wie da zwanzig Minuten diskutiert und irgendwann merke ich ach guck mal hier zum dritten Mal erkläre ich grade etwas Und dann irgendwann denke ich ah Jetzt ist gerade wieder der Impuls dar mich zu rechtfertigen.
00:03:16: Also, du siehst von Shit.
00:03:18: Es ist komplett eskaliert.
00:03:20: hinzu, hier kommt jetzt gerade der Impuls mich wieder zurechtfertigen – ist so ein riesiger Fortschritt!
00:03:26: Obwohl äußerlich vielleicht noch gar nicht spektakulär viel anders ist.
00:03:32: Denn zwischen dem Impuls etwas zu tun und der tatsächlichen Handlung entsteht etwas und zwar deine Wahlfreiheit Und du hast das bestimmt schon aufgehört.
00:03:46: Ich spreche gerne über Selbstführung und Selbstverantwortung, und mir ist wichtig dass es nicht verwechselt wird mit.
00:03:55: ich muss jetzt jederzeit perfekt alles machen und mich kontrollieren können.
00:04:00: Selbstführungen heißt nicht, dass du immer ruhig bist und immer den richtigen Satz sagst und nie angepiext wirst oder deine Muster alle geheilt hast, deine Vergangenheit geheilt hat alles aufgeräumt.
00:04:12: Das ist absolut unrealistisch!
00:04:14: Selbstführung heißt für mich ich kann mich zunehmend selbst beobachten während Ich Teil einer Situation bin.
00:04:24: also ich erkenne da kommt gerade der Druck Da ist der Wunsch jetzt da dass mein Kind mich endlich versteht.
00:04:35: Da ist gerade meine Angst, zu spät zu kommen.
00:04:38: Oder hier klappt gerade mein Bedürfnis nach Harmonie an oder auch hier habe ich gerade den Impuls sofort zu helfen und dann in dem Moment kann ich fragen möchte ich diesem Impuls gerade folgen?
00:04:53: Und manchmal antwortet die Antwort vielleicht ja und manchmal auch nein.
00:04:58: aber ich entscheide eben bewusster.
00:05:01: Wir haben uns vor zwei Folgen das Beispiel mit der Grenze angesehen.
00:05:05: Mit der Mutter, die eine Grenze setzt und die Tochter hat widersprochen und sie hat also wieder begonnen zu erklären.
00:05:14: und irgendwann hat sie gemerkt immer wenn Sie Ihre Grenze infrage stellt, also Ihre Tochter ihre Grenze in Frage stellt entsteht da ein Druck und sie muss beweisen dass ihre Entscheidung gerechtfertigt ist.
00:05:25: und genau das ist der spannende Punkt.
00:05:27: denn jetzt Muss ich nicht einfach lernen, okay dann sage ich weniger?
00:05:33: Sondern ich kann verstehen.
00:05:35: Ich fühle mich dafür verantwortlich dass mein Kind meine Entscheidung nachvollzieht und wenn ich diese innere Position verändere, kann ich plötzlich auch meinen Verhalten verändern.
00:05:51: also ich sag dann vielleicht ich verstehe das du das anders siehst und dann erstmal nichts mehr.
00:05:56: Nicht als Technik, nicht als Tipp.
00:05:58: Nicht als neuen magischen Satz sondern weil ich tatsächlich nicht mehr glaube mein Kind überzeugen zu müssen.
00:06:06: und das ist ein fundamentaler Unterschied Denn eine Methode ohne eine Haltung dahinter ist nur ne neue Strategie.
00:06:16: Das ist übrigens auch der Grund warum Eltern manchmal sagen Ich habe den Satz genauso gesagt und es hat trotzdem nicht funktioniert.
00:06:23: Das ist auch ein Grund, warum ich ganz viele Dinge wo so Sätze vorgegeben werden, ganz oft kritisiere.
00:06:30: Denn natürlich funktioniert das nicht!
00:06:32: Einsatz kann ja keine Beziehung verändern.
00:06:34: Du kannst ja nicht sagen Ich sehe deine Wut und innerlich denken Jetzt hör doch mal auf zu schreien.
00:06:39: Du könntest ja auch nicht sagen du darfst enttäuscht sein Und gleichzeitig hoffen Wenn ich das jetzt gut genug begleite dann ist das Kind gleich wieder glücklich.
00:06:47: Kinder reagieren ja nicht nur auf Wörter sondern sie merken ja was da gerade los ist Die merken ja so eine Spannung, eine Erwartung.
00:06:55: Sie spüren ja eine Beziehung.
00:06:58: und deshalb interessiert mich zunehmend weniger welchen Satz hast du gerade gesagt?
00:07:03: Und vielmehr was wolltest Du denn in dem Moment erreichen?
00:07:08: Und zwar ehrlich!
00:07:09: Da sind wir bei meinem Leitsatz radikal-ehrlich und radikal sicher Radikal-erlich hinzuschauen.
00:07:19: Was wolltest du in diesem Moment erreichen Und mit radikaler Sicherheit aufgefangen werden, dass das in Ordnung ist und es okay ist was auch immer für eine Antwort da jetzt gerade kommt.
00:07:32: Und die Veränderung, die entsteht muss nicht immer groß sein.
00:07:37: Vielleicht gehst du beim Geschwisterstreit einmal nicht sofort dazwischen oder hältst mal zwei Sekunden länger aus, dass dein Kind deine Grenze doof findest?
00:07:46: Oder sagst ich weiß nicht wie wir das gerade lösen.
00:07:51: Das kann klein wirken, was da gerade passiert.
00:07:54: Aber Systeme, so Familiensysteme reagieren auf so eine Veränderung.
00:08:00: Wenn eine Person etwas anders macht müssen die anderen Beteiligten ja irgendwie darauf reagieren und selbst wenn sie nicht reagieren ist das ja eine Reaktion.
00:08:09: Es heißt nicht dass alles sofort super schön wird.
00:08:12: Im Gegenteil manchmal kann es sogar dazu führen dass es unruhiger wird weil ja etwas sich verändert.
00:08:21: Das finde ich auch extrem wichtig, wenn ihr eine bestimmte Dynamik seit Monaten habt und du veränderst deinen Teil.
00:08:30: Kann dein Kind oder deine Kinder oder dein Partner oder alles zusammen zunächst versuchen das bekannte Muster wiederherzustellen?
00:08:39: Also zum Beispiel du bist hingegangen und jede Grenze hast du zehnmal erklärt – jetzt hörst Du nach einer Erklärung auf!
00:08:47: Dann kann es gut sein, dass dein Kind erst mal noch mehr diskutiert.
00:08:53: Weil dieses bisherige Muster plötzlich nicht mehr funktioniert und das System im Grunde diese Balance wieder sucht.
00:09:02: Aber genau das ist der Punkt wo viele Eltern dann sagen ah ja siehst du funktioniert ja auch gar nicht.
00:09:06: Und zurück zum alten Verhalten gehen und es wieder herstellen anstatt zu sagen okay Das kind versucht gerade die Dynamik wiederherzustellen.
00:09:16: Deshalb ist Veränderung nicht nur eine Frage von Erkenntnis, sondern auch davon zum Beispiel so ne Unsicherheit auszuhalten.
00:09:26: Ich möchte noch etwas sagen was vielleicht nicht besonders Instagram tauglich isst.
00:09:31: Du bekommst keine Garantie Wenn du deinen Anteil veränderst bedeutet es nicht automatisch dass dein Kind sich so verändert wie du's gerne hättest.
00:09:40: Das wäre ja wieder Kontrolle.
00:09:43: Vielleicht diskutiert das trotzdem.
00:09:45: Vielleicht bleibt es trotzdem ein intensives Kind, weil es seine Persönlichkeit ist.
00:09:50: Vielleicht braucht es trotzdem länger – weil es sein Temperament ist!
00:09:55: Vielleicht ist ein Verhalten Teil seiner Entwicklung?
00:10:00: Also die Frage ist nicht nur wie bekomme ich das Verhalten meines Kindes weg sondern wie möchte ich mich in dieser Beziehung positionieren auch wenn mein Kind gerade nicht so reagiert wie ich es mir wünsche?
00:10:16: Und genau da beginnt für mich reife Elternschaft.
00:10:22: Diesen Begriff von Reifer-Elternschaft benutze ich inzwischen sehr bewusst – Ich glaube nicht, dass es reife und unreife Eltern gibt!
00:10:31: Aber ich glaube, Elternschaft lädt uns immer wieder dazu ein Verantwortung für uns selber zu übernehmen.
00:10:39: Nicht für alles?
00:10:39: Da haben wir auch schon drüber geredet… Für unseren Teil!
00:10:45: Ich muss nicht immer richtig reagieren.
00:10:48: Ich muss auch nicht jedes Verhalten ständig verstehen und kontrollieren.
00:11:12: Das ist für mich sehr viel ehrlicher als die Vorstellung, wir könnten Elternschaft irgendwann können und wir werden irgendwann perfekte Eltern.
00:11:23: Ganz und gar nicht!
00:11:26: Und vielleicht ist auch das der beste Punkt um am Ende dieser Serie noch einmal zu sagen wohin sich dieser Podcast uns Sichtwechsel entwickelt hat?
00:11:38: Du siehst es auf Instagram, ich gebe Keine Antworten mehr darauf, was mache ich wenn mein Kent X tut.
00:11:45: Natürlich wird es weiter in dieses Wissen geben.
00:11:48: natürlich werde ich weiter über Bindung sprechen über Entwicklung Grenzen Wut Geschwister über alle Themen die Familie beschäftigen aber Ich möchte stärker mit dir unter die Oberfläche gehen.
00:12:00: Ich möchte nicht nur fragen was braucht dieses Kind sondern was passiert zwischen euch?
00:12:05: Ich möchte mir mit ihr Muster anschauen Lösungsversuche Verantwortung Rollen, Erwartungen und auch die Stellen an denen wir uns vielleicht selbst im Weg stehen obwohl wir es eigentlich besonders gut machen möchten.
00:12:20: Und zwar nicht damit du noch stärker optimierst und damit du eben dieses Bild von perfekten Eltern endlich erfüllst sondern damit du mehr Wahlfreiheit bekommst Denn Eltern brauchen heute meiner Meinung nach gar nicht mehr Wissen.
00:12:37: Sie müssen jetzt nicht unbedingt alles wissen und das perfekte Bedürfnis herausfiltern, die perfekten Bedürfsplanung haben.
00:12:50: Ich glaube sie brauchen Räume in denen aus Wissen tatsächlich Veränderungen werden kann.
00:12:56: Und genau darum geht es hier zukünftig noch stärker.
00:13:01: Ganz viele haben's schon mitbekommen und eigentlich ist jetzt auch so die Zeit in der der Bindungskurs wieder starten würde.
00:13:08: Der Bindungskurs ist im Frühling in die letzte Runde gegangen, weil ich im Bindungskurs auch schon Anteile der Arbeit wie ich sie hier jetzt in den letzten vier Folgen dir gezeigt habe enthalten habe.
00:13:22: Aber ganz viele lineare Lösungen einfach noch drin sind und genau davon möchte ich weggehen Und deswegen wird es etwas Neues geben für Eltern.
00:13:31: Der Bindungskurs wird abgelöst von etwas, was noch tiefer geht.
00:13:35: Wo du sagst wenn du einfach schon so viel Wissen hast dich soviel damit auseinandersetzt oder vielleicht auch nicht dich nicht damit aueinandersetzen denn das braucht es auch nicht!
00:13:44: Du musst nicht jeden Elternratgeber gelesen haben.
00:13:47: Viel wichtiger ist dass da drunter gucken.
00:13:51: und genau das ist es was ich weitergeben möchte Wo ich weiter daran arbeite, wo wir tiefer gehen gemeinsam.
00:13:59: und ich freue mich unglaublich über die vielen, vielen Menschen, die mitgehen.
00:14:04: Und über den vielen neuen Menschen, dem mitgehen diesen Weg!
00:14:08: Und ja da tiefer gucken, weiterhin gucken.
00:14:13: Wenn du aus dieser vierteiligen Serie nur drei Fragen mitnimmst dann sind es vielleicht diese Erstens was passiert hier eigentlich zwischen uns?
00:14:23: Zweitens Was ist mein Anteil und was nicht?
00:14:28: Und drittens, was tue ich immer wieder um das Problem zu lösen.
00:14:32: Und was bewirkt das genau?
00:14:35: Du musst nicht die Antworten sofort auf alles haben.
00:14:37: Manchmal reicht es auch eine Frage, eine Weile erst mal so mitzunehmen darüber nachzudenken und ein bisschen sacken zu lassen.
00:14:45: Denn einen Sichtwechsel bedeutet nicht immer dass plötzlich alles leichter ist.
00:14:48: aber manchmal sehen wir nach einem Sichtwechsel etwas das vorher überhaupt nicht sichtbar war Und ab da können wir nicht mehr ganz genau so weitermachen wie vorher.
00:14:58: Das ist genau der Anfang von Veränderung!
00:15:02: Ich freue mich, wenn wir uns nächste Woche wieder hören.
00:15:05: Nächste Woche schauen wir uns etwas zu Rollen an – auch super, super spannend.
00:15:10: Welche Rolle übernimmst du?
00:15:12: Wenn es schwierig wird und da kannst Du noch mal schauen, wie solche Rollendynamiken mitprägen.
00:15:20: Ich freu mich Dich, nächste Woche Wiederzuhören.
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